Ärztliche Osteopathie

Wann hilft mir Osteopathie?

Da mit Hilfe der Osteopathie neben den Muskeln und Gelenken auch die Organe, der Schädel und das Gehirn beeinflusst werden, lassen sich im Grunde alle Funktionsstörungen des Körpers damit behandeln. Therapiefähig sind z.B. Rückenleiden, Folgen von Unfallverletzungen, Probleme der Kiefergelenke oder vor der Menstruation, Migräne, Tinnitus, Verdauungsprobleme und andere dauerhafte Beschwerden.

Auch Säuglinge und Kinder mit Problemen, die auf die Geburt oder später zurückgehen, z.B. Unruhe, Bewegungsstörungen, Schmerzen oder Entwicklungsstörungen und Lernschwierigkeiten zählen zu typischen Patienten für die Osteopathie. Die Osteopathie verwendet schonende, nicht schmerzhafte und meist sanfte Techniken. Sie kann tief greifende Wirkungen erreichen - nicht selten schon in ein bis drei Sitzungen.

Wie funktioniert Osteopathie?

Die osteopathische Medizin dient der Erkennung und Behandlung von körperlichen Funktionsstörungen und wird mit den Händen ausgeführt.

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Die Betrachtung des Organismus als Einheit, die Bedeutung der lebensnotwendigen Mobilität aller Gewebe im Körper, seine Fähigkeit zur Selbstregulierung und der enge Zusammenhang von Struktur und Funktion aller Teile sind Grundlage zum Verständnis und zur Ausübung der Osteopathie. Alle Organe, Knochen und Muskeln sind wie in einem Netzwerk eng miteinander verknüpft. Unser Körper stimmt alle lebensnotwendigen Funktionen in ständiger Bewegung aufeinander ab. Solange ihr Zusammenspiel untereinander funktioniert, ist der Mensch gesund bzw. kann sich durch seine körpereigenen S elbstheilungsmechanismen gesund erhalten.

Ein Großteil der Motilität und Mobilität unserer Körperstrukturen ist uns selten bewusst. Hierzu zählen die Strömung von Blut, Lymphe und anderen Körperflüssigkeiten, die rhythmische Atembewegung, die unwillkürliche Arbeit unserer Verdauungsorgane ebenso wie die Bewegungen der Muskulatur, der Sehnen, Gelenke und Bindegewebe.

Werden die Bewegungen und die Beweglichkeit einzelner Körperstrukturen eingeschränkt, beeinflusst das deren Funktion. Ist die Funktion einer Struktur gestört, zeigt sich dies in einer Veränderung des Gewebes und der Beweglichkeit. Nicht immer signalisiert uns der Körper eine Funktionsstörung durch Schmerzen oder andere Beschwerden. Unser Organismus ist sehr anpassungsfähig und kann manche "Störung", wie Fehlhaltung, stressbedingte Verspannung, Erkrankung oder sogar Verletzung lange Zeit ausgleichen. Dabei wird die eingeschränkte Funktion von anderen Körperstrukturen übernommen - kompensiert. So "verlagern" sich Funktionsstörungen und wirken sich auf andere Bereiche des Körpers aus. Ist aber die Ausgleichsfähigkeit des Körpers erschöpft, dann genügt schon ein kleiner physischer oder psychischer Einfluss, um unverhältnismäßig starke Reaktionen hervorzurufen. Diese können dann an einer ganz anderen Stelle des Körpers auftreten. So kann beispielsweise ein Luftzug oder eine ungeschickte Bewegung einen Hexenschuss provozieren. Oft liegt also die "Lösung" für Beschwerden nicht dort, wo wir Schmerzen empfinden.

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Spätestens hier beginnt die Aufgabe des osteopathischen Arztes. Durch seine genauen Kenntnisse der Anatomie und Physiologie dringt der osteopathisch behandelnde Arzt dabei von den Symptomen zu den Ursachen der Beschwerden vor und ordnet jede Störung und deren Behandlung in die Bewegungszusammenhänge des gesamten Organismus ein. Mit sanften Handgriffen erspürt er Barrieren im Körpergewebe und löst diese durch leichten Druck. Dadurch wird eine harmonische Spannung, Strömung und Beweglichkeit des Körpers wieder hergestellt, und die Energie im Körper kann fließen. Der Arzt reaktiviert damit unsere Selbstheilungskräfte, die so der gestörten Struktur zu ihrer normalen Funktion zurück verhelfen.

Die Geschichte der Osteopathie

Der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still (1828 - 1917) begründete vor ca. 130 Jahren die Osteopathie. Er reagierte damit auf den Mangel an Kenntnissen der damaligen Schulmedizin. Machtlos hatte er als Arzt mit ansehen müssen, wie seine erste Frau und vier seiner Kinder an Krankheiten starben. Deshalb suchte Still nach einem neuen Verständnis von Gesundheit, von Krankheit, vom menschlichen Körper und von dem, was Medizin sein sollte. Seine grundlegenden Einsichten bilden bis heute das Fundament der osteopathischen Medizin.

Seit Stills Zeit hat sich die Osteopathie rasant weiterentwickelt und ist um wesentliche Bereiche ergänzt worden. Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte die Osteopathie England, in den fünfziger Jahren gelangte sie nach Frankreich. Inzwischen gehört die ärztliche Osteopathie in den USA, England, Belgien und Frankreich zu den bewährten und allgemein anerkannten Formen der Medizin, wird an Universitäten den Medizinstudenten gelehrt und ist dort fester Bestandteil der medizinischen Versorgung.